ftt - Newsletter
Veranstaltungen
Texworld Apparel Sourcing Paris
31.08.2026 - 02.09.2026
Meldung lesen
65. Dornbirn Global Fibre Congress ...
16.09.2026 - 18.09.2026
Meldung lesen
Weitere Veranstaltungen >
1
Regionale textile Wertschöpfungsketten sind wirtschaftlich darstellbar
Zur Auswahl zurückkehren News  Drucken 
Regionale Wertschöpfung in der Textilindustrie gilt vielen als Kostenfaktor. Das Projekt „Lokalstoffmacher“ aus Baden-Württemberg stellt diese Annahme infrage. Drei Unternehmen haben erstmals eine vollständig regionale Strickstoff-Lieferkette aufgebaut – von der Baumwollfaser bis zum veredelten Stoff. Ziel ist es, Transparenz, Planungssicherheit und neue Absatzpotenziale für regional produzierte Textilien zu schaffen. Die Transportdistanz: 2.300 Kilometer.

Globale Lieferketten gelten in der Textilindustrie nach wie vor als preislich überlegen. Ein Projekt aus Baden-Württemberg zeigt, dass regionale Alternativen wirtschaftlich darstellbar sein können – wenn Preis, Wertschöpfung und Rückfluss gemeinsam betrachtet werden. Unter dem Namen „Lokalstoffmacher“ haben drei Unternehmen eine regionale Strickstoffkette aufgebaut. Der Fokus liegt dabei nicht auf Symbolik, sondern auf wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette.

Gesponnen wird die spanische Faser bei Gebr. Otto in Dietenheim bei Ulm, in Albstadt bei Edelweiss Jersey entsteht der Strickstoff und in Öschingen, ebenfalls im Zollernalbkreis, bei der Textilveredlung Keller, bekommt er sein Finishing.

Initiiert hat das Projekt "Lokalstoffmacher" Patrick Herter, Geschäftsführer von Edelweiss Jersey im Frühjahr 2025. Ihm war es wichtig, eine bewusst aufgebaute, stabile Kooperationskette zu etablieren. Mehr Sichtbarkeit für die einzelnen Unternehmen, unterstreicht Sebastian Keller von dem gleichnamigen Unternehmen für Textilveredlung, habe er sich gewünscht. Schließlich liefert jedes der drei Unternehmen nur Zutaten oder bestenfalls ein Zwischenprodukt. „Am Ende geht es darum, werthaltige Aufträge zu generieren“, fasst Christian Weiss zusammen. Er teilt sich mit Sebastian Keller die Geschäftsführung der Textilveredlung.

„Domestic Luxuries“ als Chance im Bekleidungsbereich
Potential für die Strickstoffe der Lokalstoffmacher ist vorhanden, das ist sich Andreas Merkel, Geschäftsführer der Spinnerei Gebr. Otto sicher. Er sitzt mit Patrick Herter, Sebastian Keller und Christian Weiß am Besprechungstisch in Albstadt-Lautlingen. Dank der geografischen Nähe ist ein persönliches Treffen der drei Lokaltstoffmacher spontan möglich. Knapp 100 Kilometer liegen zwischen Spinnerei und Strickerei. Die Öschinger Textilveredler könnten ihre 40 Kilometer bis zur Strickerei sogar mit dem Rad zurücklegen. Die Strecke führt, landschaftlich reizvoll, über die Schwäbische Alb, meist zu Füßen der Zollernburg.

Otto-Geschäftsführer Merkel nennt den Begriff der „Domestic Luxuries“. Er stammt aus einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey und bezeichnet den Wunsch nach lokal hergestellten Gütern. Insbesondere im gehobenen Bekleidungsbereich wünschten sich – und honorierten – Kunden den regionalen Bezug.

Ob sich die Kooperation aus wirtschaftlicher Sicht gelohnt hat, können die drei Partner noch nicht benennen. „Das ist zu früh“, so Patrick Herter. Die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette gestärkt hat das Projekt auf jeden Fall. „Mit der Spinnerei hatten wir bisher keinen direkten Kontakt, da war immer ein Glied dazwischen“, so Sebastian Keller.


Öffentliche Auftraggeber als Zielkunden
Patrick Herter verweist auf ähnliche Projekte in Griechenland, mit dem Ziel, die textile Wertschöpfung im Land zu behalten. „Das ist eine globale Tendenz“, stellt Merkel fest und ergänzt: „Es geht uns hier gewiss nicht um Abschottung oder Lokalpatriotismus, sondern um das Bewusstsein, dass an einem lokal hergestellten Produkt auch Arbeitsplätze hängen.“

Er sieht deshalb öffentliche Ausschreibungen als zweiten Zielmarkt für Produkte der Lokalstoffmacher. Bisher werden öffentliche Aufträge aus Preisgründen meist außerhalb Deutschlands vergeben. Allerdings sei die zugrundeliegende Preisbetrachtung unvollständig: Andreas Merkel: „Als Hersteller zahlen wir in Deutschland Steuern sowie vielfältige Abgaben und Umlagen. Diesen Block müsste man in einem realistischen Preisvergleich abziehen.“

In der Konsequenz hieße das: „Würden die öffentlichen Auftraggeber ihre Aufträge in Deutschland platzieren, bekämen sie eine sehr hohe Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen.“

Derzeit sprechen kurzfristige Kostenargumente noch häufig dafür, Produkte zu günstigeren Preisen zu importieren. Mit dem zunehmenden Druck auf dem Arbeitsmarkt und steigenden Sozialkosten müsse der Staat, der als öffentlicher Auftraggeber Geld ausgibt so investieren, dass er den bestmöglichen Pay-Back hat. „Der größte volkswirtschaftliche Rückfluss entsteht dort, wo öffentliche Mittel im eigenen Land in Arbeit, Wertschöpfung und Steuereinnahmen zurückfließen.“


Herausforderungen und Ausblick
„Ein Stoff ist erst mal nur ein Zwischenprodukt“, sagt Christian Weiss. „Nun brauchen wir einen Konfektionär, der aus unserem Gestrick ein fertiges Textilprodukt herstellt.“ Auch für eine Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen braucht es einen Partner, der diesen Prozessschritt abdeckt. Einige Kandidaten hat das Lokalstoffmacher-Trio schon, zum Lokalstoffmacher-Quartett ist es bisher nicht gekommen.
In Zukunft können sich die drei Lokalstoffmacher vorstellen, andere Fasern einzusetzen. „Baumwolle war ein guter und sinnvoller Anfang, um uns als Kooperationspartner zusammenzubringen“, sagt Patrick Herter. „In dieser Konstellation denken wir weiter.“

https://lokalstoffmacher.de/

Bild: Die Lokalstoffmacher: Patrick Herter von der Strickerei Edelweiss Jersey, Sebastian Keller und Christian Weiß von der Textilveredlung Keller und Andreas Merkel von der Spinnerei Gebr. Otto.
Meistgelesene News
Techtextil und Texprocess lieferten Lösungen für Industrien unter Druck Meldung lesen
Wie Marken den DPP jetzt umsetzen am Beispiel von Kings & Priests Meldung lesen
Techtextil und Texprocess küren Innovation Awards 2026 Meldung lesen
Abschluss vollzogen – Mayer & Cie. Global nimmt Geschäftsbetrieb auf Meldung lesen
Texprocess: Style3D | ASSYST präsentiert KI, 3D, 2D und Automatisierung Meldung lesen
HSNR-Projekt entwickelt Garne aus 100 Prozent Recyclingmaterial Meldung lesen
Intelligente Textilien gehen auch nachhaltig, umweltverträglich und mit KI Meldung lesen
Indorama Ventures : Weniger CO₂, stärkere Verbindungen Meldung lesen
Von der Wolle Meldung lesen
Bailey – Feel the cool Meldung lesen
OLYMP sieht Nachhaltigkeit als unternehmerische Verantwortung Meldung lesen
Coastland erhält Gold-Award Meldung lesen
Schwitzen vermeiden statt managen Meldung lesen
Webinar zu neuem Ansatz für die Strukturierung der Textilveredelung Meldung lesen
Walter Reiners-Stiftungspreis an drei ITA Absolvent:innen verliehen Meldung lesen
Texworld Apparel Sourcing Paris: im Herzen des weltweiten Textilangebots Meldung lesen
Für Jacke wie Hose: Alternativen für PFAS in Textilien Meldung lesen
Die Handelskrise schafft Verunsicherung Meldung lesen
Nachhaltigkeit, Inspiration und digitale Veredlung im Fokus Meldung lesen
Weitere News >


Inhalte


News
Newsletter
Veranstaltungen

Rechtliche Informationen


Impressum
Datenschutz
AGB

Kontakt & Service


Mediadaten
Kontakt
F.A.Q.
Copyright © 2008 - 2026 ftt-online.net