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Neue Kompetenzen für die textile Kreislaufwirtschaft
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Von der Herstellerverantwortung bis zum Textilrecycling

Das Erasmus+-Projekt Skills4Circularity entwickelt auf Basis umfassender Analyseergebnisse drei praxisorientierte Trainingsmodule zu den Themen Recyclingtechnologien, Ökodesign für die Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktion. Die Inhalte des ersten Moduls „Recyclingtechnologien“ wurden inzwischen erarbeitet und gemeinsam mit Industrievertretern im Praxistest geprüft. Ziel ist es, Kenntnisse zu gesetzlichen Anforderungen, Materialsortierung und der Aufbereitung von Textilabfällen zu vermitteln.

Steigende Bekleidungsabfallmengen, begrenzte Ressourcen und neue gesetzliche Vorgaben beschleunigen den Wandel zur Kreislaufwirtschaft. Regulatorische Anforderungen, Sammel- und Sortiersysteme sowie moderne Recyclingtechnologien greifen dabei ineinander und bilden die Grundlage zukünftiger textiler Stoffkreisläufe.

Den politischen Rahmen bilden der Europäische Green Deal und die europäische Kreislaufwirtschaftsstrategie. Ziel ist es, Produkte und Ressourcen möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten und den Verbrauch neuer Rohstoffe zu reduzieren.

Europäische Abfallrahmenrichtlinie und Herstellerverantwortung
Eine zentrale Rolle spielt die europäische Abfallrahmenrichtlinie (Waste Framework Directive). Sie schafft den rechtlichen Rahmen für Abfallvermeidung, Recycling und Ressourcenschutz. Die aktuelle Überarbeitung sieht verbindliche Vorgaben für Bekleidungstextilien und Schuhe vor und stärkt die europäische Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien.

Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Gesetzgebung ist die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR). Hersteller tragen künftig auch Verantwortung für ihre Produkte nach der Nutzungsphase. Producer Responsibility Organisations (PROs) unterstützen sie bei der Umsetzung. EPR-Gebühren finanzieren unter anderem Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling und sollen europaweit möglichst harmonisiert werden.

Die regulatorischen Maßnahmen sind eine Reaktion auf stetig wachsende Materialströme. Nach dem Materials Market Report 2025 von Textile Exchange könnte die weltweite Faserproduktion bei unverändertem Trend bis 2030 auf rund 169 Millionen Tonnen steigen. Gleichzeitig entstehen jährlich rund 92 Millionen Tonnen Bekleidungsabfälle. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Alttextilien möglichst hochwertig in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können.

Sammlung und Sortierung als Schlüssel zum Recycling
Bereits der Erfolg der Sammlung hängt von der Beteiligung der Verbraucher sowie der Zugänglichkeit und Attraktivität der Sammelsysteme ab. Die gesammelten Textilien müssen zunächst identifiziert, klassifiziert und aufbereitet werden. Dazu gehören das Entfernen nichttextiler Bestandteile, das Aussortieren beschädigter Materialien, die Demontage von Komponenten sowie Reinigung und Kontaminationskontrolle. Diese Schritte sind bislang nur teilweise automatisiert.

Die Sortierung bestimmt ausschlaggebend den späteren Recyclingweg. Neben der manuellen Sortierung gewinnen automatisierte Verfahren, unterstützt durch RFID-, Sensor- und KI-gestützte Systeme zunehmend an Bedeutung. Sie verbessern die Materialerkennung und ermöglichen eine präzisere Zuordnung der Textilien zu den geeigneten Recyclingverfahren. Dennoch bleibt die Erfahrung der Mitarbeitenden insbesondere bei komplexen Materialmischungen unverzichtbar.

Die Wahl der Recyclingverfahren
Je nach Herkunft und Materialzusammensetzung kommen mechanische, chemische oder thermische Recyclingverfahren zum Einsatz. Produktionsabfälle sind meist homogen und leichter zu verwerten als Post-Consumer-Textilien mit ihren komplexen Materialmischungen und Verunreinigungen.

Je nach Verfahren unterscheiden sich die Eigenschaften der Recyclingfasern. Mechanisches Recycling können die Fasern verkürzen, während chemische Verfahren Fasern erzeugen können, die Neufasern sehr nahekommen. Spinn- und Weiterverarbeitung müssen deshalb an die jeweiligen Materialeigenschaften angepasst werden.

Fazit
Die im Projekt Skills4Circularity entwickelten ersten Inhalte des Moduls „Recyclingtechnologien“ verdeutlichen, dass Textilrecycling weit über die eigentliche Wiederverwertung von Fasern hinausgeht. Erst das Zusammenspiel aus europäischer Regulierung, erweiterter Herstellerverantwortung, leistungsfähigen Sammel- und Sortiersystemen sowie auf den jeweiligen Materialstrom abgestimmten Recyclingtechnologien ermöglicht hochwertige textile Kreisläufe. Diese Inhalte, welche von den Projektpartnern Gheorghe Asachi Technical University of Iasi (Rumänien), Faculty of Textile Engineering at the Technical University of Liberec (Tschechien), University of Borås (Schweden) und INTEXTER at Universitat Politècnica de Catalunya (Spanien) erstellt wurden, bilden die Grundlage für das Modul „Recyclingtechnologien“, das die Zusammenhänge entlang der textilen Kreislaufwirtschaft systematisch vermitteln soll. Die Transformation der Textilindustrie ist damit gleichermaßen eine politische, organisatorische wie technologische Aufgabe.

http://www.ivgt.de | http://www.skills4circularity.com


Quellen: Skills4Circularity; Textile Exchange: Materials Market Report 2025; Global Fashion Agenda/Boston Consulting Group: Pulse of the Fashion Industry 2017; UNEP: International Day of Zero Waste – Textiles; European Commission – Joint Research Centre (2021): Circular Economy Perspectives in the EU Textile Sector; Refashion (2020): Optical Sorting and Textile Recognition; Cura et al. (2021): Textile Recognition and Sorting for Recycling at an Automated Line Using Near Infrared Spectroscopy (Recycling 6(1), 11).

https://textileexchange.org/knowledge-center/reports/materials-market-report-2025/

https://www.unep.org/news-and-stories/press-release/unsustainable-fashion-and-textiles-focus-international-day-zero

Bildauswahl: KI Generiert, IVGT
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