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Nora Kühner über die Bedeutung von Transformation für die Branche
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PERFORMANCE DAYS mit spannendem Expert Talks-Programm
Create. Align. Compare. Make the difference:

Transformation ist eines der allgegenwärtigen Schlagworte unserer Zeit. Jede Saison lernen wir neue Werkzeuge, neue Technologien und fantastische Materialien kennen. Aber es scheint, dass wir das große Ganze übersehen: Was muss transformiert werden? Und was sind die Ziele dieser Transformation? Was erwarten wir von dieser Transformation? Die Designerin und Trendexpertin Nora Kühner entwickelt zweimal im Jahr die Farbkarte „PERFORMANCE COLORS by Nora Kühner“ für die Sport- und Lifestylebranche, hält Trendvorträge, ist als Designerin tätig und begleitet Materialentwicklungen der Hersteller. Im Rahmen der PERFORMANCE DAYS informiert Nora Kühner bei den Expert Talks am 15. März 2023 über die Farbtrends der Saison Winter 2024/25 und Sommer 2025. Zudem begleitet die Visionärin das diesjährige Focus Topic der Messe „Create. Align. Compare – Make the difference!“ und geht in ihrem Vortrag am 16. März 2023 der Frage nach, was wahre Transformation bedeutet. Jetzt ist der Moment für unsere Branche, herauszufinden, was wir bewahren wollen und was aussortiert werden kann. Und nicht zuletzt müssen wir den Rahmen für die bessere Zukunft abstecken, von der wir schon seit geraumer Zeit sprechen. Die Zeit läuft und wir müssen entschlossen handeln. Wie wichtig dieser Transformationsprozess ist? 10 Fragen an die Trendexpertin Nora Kühner:

PERFORMANCE DAYS verfolgt seit drei Messen das Focus Topic „Auf dem Weg zur CO2-Neutralität“. Jetzt, in Schritt Drei mit dem Titel „Create. Align. Compare.“ geht es konkret darum, dass Hersteller erste Werte zur Minimierung des CO2-Fußabdrucks angeben. Dies ist auch der Titel Ihres Vortrags. Wo steht die Branche momentan und wie sehen Sie die Zukunft?
Wir haben in der Sportbekleidung bereits etliche Schritte getan, insbesondere im Hinblick auf die Materialien. Sei es in puncto Stoffe, Wattierungen, Garne, Färbeprozesse oder Accessoires, wir sehen hier viele Entwicklungen, die in die richtige Richtung gehen. Diese Schritte dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Reaktionen zu langsam sind. Wir müssen hier an einen großen Impact denken, dürfen nicht alles klein reden oder über zu viele Schritte nachdenken. Jetzt heißt es zu handeln. Wir befinden uns in einem Wettrennen gegen die Zeit, um unsere Industrie zu dekarbonisieren.

Und welche Rolle spielt dabei das Thema Transformation?
Transformation beschreibt einen grundlegenden Wandel und den sehe ich ganz nüchtern betrachtet leider noch nicht. Denn dazu müssen wir uns und unsere Art zu handeln, zu entwickeln und zu produzieren grundlegend in Frage stellen – wohlgemerkt kritisch und unvoreingenommen. Nehmen wir zum Beispiel die Digitalisierung, die ja bereits seit einiger Zeit Thema Nummer 1 in vielen Branchen ist. Sie soll dabei helfen, Arbeitsschritte nachhaltiger zu gestalten, Zeit und Geld zu sparen, Konzepte schneller auf den Weg zu bringen. Wenn ich jedoch einen kritischen Blick darauf werfe, sehe ich eher, dass neue Werkzeuge bzw. Techniken altes Denken am Leben erhalten sollen. Wir benötigen dringend ein neues Mindset, das uns beim „Loslassen“ unterstützt und uns hilft, Prozesse neu zu denken.

Wie definieren Sie in diesem Zusammenhang „Veränderung“?
Wie ich bereits erwähnt habe, mit dem Loslassen können, dem ganz neu Denken, dem Imaginieren von neuen Geschichten, neuen Leitbildern. Es hilft, Prozesse auch mal vom Ende her zu betrachten und sich konkrete Fragen zu stellen: Was macht die Outdoor-Branche, wenn die Umwelt immer mehr zerstört ist? Der bis dato sehr schneearme Winter ist dafür auch ein Beispiel: Ist Skifahren in der Halle wirklich eine adäquate Alternative zum echten Erlebnis in den Bergen? Wer will im vermüllten Meer (great plastic garbage patch) schwimmen oder surfen? Wer will in abgebrannten Wäldern wandern? Wo kommt dann der Umsatz her?

Welche Chancen kann Veränderung mit sich bringen?
Ich würde mir wünschen, dass wir den Begriff Veränderung nicht von vorneherein negativ besetzen. Mir fällt heute auf, dass wir keine positiven Szenarien mehr imaginieren können. Sicher ist das Entwickeln neuer Ideen und Strukturen mühsam und erfordert mehr Anstrengung als das Vorhandene immer weiter zu differenzieren. Wir wissen doch alle, dass wir nicht mehr Umsatz generieren, wenn wir Jahr um Jahr, Saison für Saison das gleiche Produkt auf den Markt bringen. Die Menschheitsgeschichte ist schon immer eine Geschichte des „Neue Wege Gehens“ gewesen. Wieso klammern wir uns also derart an das Existierende, an Strukturen, die aus einem anderen Jahrhundert stammen? Noch dazu, wo wir inzwischen die negativen, sehr bedrohlichen Auswirkungen unseres Tuns erkannt haben. Gerade angesichts der technologischen Fortschritte, der wissenschaftlichen Durchbrüche sollten wir Vertrauen in unsere Fähigkeiten und die sich dadurch abzeichnenden Möglichkeiten haben. Rückschläge gehören dazu, ohne Risiko und mutiges Experimentieren geht es aber nicht.

…welchem Druck wiederum ist die Branche ausgesetzt?
Natürlich sind die wirtschaftlichen Zwänge enorm. Aber eben auch menschengemacht – diesem Aspekt gehen wir im Übrigen in der kommenden PERFORMANCE COLORS Trendfarbkarte für den Sommer 2025 nach. Die Überschrift lautet: „MAN-MADE“ – die Komplexität der Probleme im Handel, in der Industrie, in unserem Leben, über die wir heute klagen, ist menschengemacht. Ebenso der Klimawandel, dennoch sollten wir Vertrauen in unsere Fähigkeiten haben. Wenn wir wollen, können wir auch anders. Wir müssen Ursachen beheben, nicht nur Symptome behandeln.

Und welche Bereiche sind davon besonders betroffen?
Ich glaube, dass noch kaum jemand begriffen hat, was die letzten Jahre für die Mehrzahl der Menschen bedeutet haben. Das Konsumieren nach dem Motto „what ever it takes“ ist vielen Menschen nicht mehr möglich. Jobverlust, steigende Energiepreise, quasi regelmäßig auftretende Umweltkatastrophen und tiefgehende Ängste, im Besonderen in Mitteleuropa, wie sich das eigene Leben angesichts eines Kriegs in der unmittelbaren Nachbarschaft gestalten wird, sorgen nicht gerade für große Ausgabefreudigkeit.

Wie wirkt sich dies auf die Bereiche Design und Produktentwicklung aus?
Nachhaltigkeit beginnt beim Produkt. Daher muss von den ersten Ideen bis hin zur Entwicklung und Produktion des Kleidungsstücks in diesem Kontext gedacht werden. Als Designer:innen können wir nicht nur auf Messen nach neuen, nachhaltigen Stoffen oder coolen, umweltfreundlichen Accessoires Ausschau halten. Vielmehr müssen wir den Lebenszyklus des Produktes gestalten. Der komplette Prozess in der Produktentwicklung muss somit neu aufgestellt werden. Hier sehe ich viele spannende Aufgaben für das Design: Designer:innen können Neues imaginieren und visualisieren, neue Geschichten erzählen.

Wenn wir beim Thema neue Faser- und Materialtechnologien bleiben. Wie wichtig ist in diesem Rahmen Veränderung?
In meinen Vorträgen weise ich seit vielen Jahren darauf hin, dass die Innovationen in unserer Branche vorrangig von Seiten der Materialhersteller und durch neue Verarbeitungstechnologien kommen. Schaut man sich die Kollektionen der Brands an, sieht man deutlich, dass wir anscheinend die perfekten Schnitt- und Konstruktionslösungen für viele Kleidungsstücke gefunden haben, zum Beispiel für Outdoorjacken. Wie sonst erklärt sich die Uniformität der Jacken? Vielleicht verbergen sich aber doch auch kreative Stagnation oder zu starke Kostenzwänge dahinter? Denn, wenn wir bereits die optimale Jackenform entwickelt haben, sollten wir nicht konstant weiterhin große Mengen davon produzieren. Aber zurück zur Frage: Die Innovationen im Faser- und Materialbereich sind zwingend notwendig, da in diesem Bereich unser CO2-Fußabdruck am größten ist. Am Ende geht es vor allem darum, Färbe- und Ausrüstungsverfahren zu optimieren, weniger Energie und Wasser zu verbrauchen. Die ganzen Bemühungen machen jedoch am Ende keinen Sinn, wenn wir zum Beispiel weiterhin auf PFAS setzen und hier kein generelles Verbot aussprechen.

Ist die Branche bereit, die Zukunft gemeinsam neu zu gestalten, „alte Zöpfe abzuschneiden“ und eine neue Ära einzuläuten?
Bis dato sehe ich das nicht. Wir sind allzu sehr in den gewohnten Abläufen und Strukturen verhaftet. Obwohl wir inzwischen quasi alltäglich sehen können, welche Auswirkungen unsere Ausnutzung des Planeten hat, glauben wir immer noch, wir können weitermachen wie bisher. Auch das „gemeinsame“ Vorangehen ist kein Thema – unsere kompetitiven Verhaltensmuster sind zu stark ausgeprägt. Ein gemeinsames Leitbild für unsere Branche zu entwickeln wäre eine sehr spannende Aufgabe. Ich möchte daran erinnern, dass wir als Branche einen richtigen „Purpose“ haben: Kleidung ist ein Grundbedürfnis des Menschen, wir brauchen Kleidung, um uns zu schützen. Wir können ohne Smartphone leben, aber nicht ohne Kleidung.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, wo stehen wir in zehn Jahren und was würden Sie sich wünschen?
Ich wünsche mir, dass wir unseren CO2-Ausstoß signifikant verringert haben, dass es keine gewohnheitsmäßige Überproduktion mehr gibt und dass Produktentwicklung für Relevanz und Innovation steht. Immer mehr vom Gleichen zu produzieren ist ein No-Go. Wir haben hoffentlich neue regionale Strukturen für zirkuläres Wirtschaften aufgebaut und damit aufgehört, Kleidung als Abfall zu bezeichnen. Deswegen schicken wir auch keine Altkleiderberge mehr nach Afrika oder Südamerika. Vielfältige Reparatur-Services, unkomplizierte Rückgabe von Textilien, die wir nicht mehr tragen wollen, die aber als Materialressource gesehen und genutzt werden und vieles mehr, werden Standard. Ich nenne das „Textile Mining“ in Anlehnung an „Urban Mining“, das zum Beispiel in der Bauwirtschaft schon gemacht wird. Darüber hinaus ist mein Traum, den ich schon seit mehr als zehn Jahren habe, dass die Branche, in der ich seit vielen Jahren mit großer Begeisterung arbeite, endlich Vorreiter einer umfassenden Transformation wird. Dass wir unser Wissen und Knowhow über Funktionalität und Schutz nicht nur in unsere Produkte einfließen lassen, sondern auch in den Umgang mit unserem Planeten. Der ist nicht zuletzt auch unsere Business-Basis. Auch für zahlenorientierte Macher sollte klar sein: Das Draußensein, das sich Bewegen in unserer physischen Umwelt steht für einen großen Teil des Umsatzes in der Branche. Was, wenn niemand mehr auf Grund von Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung draußen sein will, deren Folgen die individuelle Gesundheit bedrohen?

SAVE THE DATE:
NORA KÜHNER: Create. Align. Compare. MAKE THE DIFFERENCE! 16. März 2023 10:30 bis 11:30 Uhr LIVE auf der Messe München, Halle A1 oder über die Webseite http://performancedays.com

Das gesamte Expert Talks Programm im Rahmen der PERFORMANCE DAYS vom 15. bis 16. März 2023 ist hier einzusehen: https://www.performancedays.com/loop/expert-talk-webinar/expert-talks-munich-livestream.html

Alle Vorträge stehen nach der Messe on demand kostenfrei zur Verfügung.

PERFORMANCE DAYS: Jetzt kostenlos registrieren! Jetzt für The Loop registrieren und das kostenfreie Ticket für die PERFORMANCE DAYS Messe in München am 15. und 16. März sichern. Ab sofort sind alle innovativen Materialien auch online im Marketplace des PERFORMANCE DAYS Loop zu finden mit der Möglichkeit, direkt beim Aussteller kostenfreie Samples zu bestellen. Happy Sourcing! https://www.performancedays.com/loop.html


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