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Große Sorgen bei TWD
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Das Deggendorfer Traditionsunternehmen TWD, Deggendorf-Seebach, hat am 22. Februar 2005 vor dem Amtsgericht-Insolvenzgericht Deggendorf den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Wie das Unternehmen mitteilte, betrifft die Zahlungsunfähigkeit die Konzernmutter TWD GmbH. Die gesamte TWD-Gruppe hat 1360 Beschäftigte, davon arbeiten 870 bei der Muttergesellschaft in Deggendorf.
Die Textilwerke Deggendorf wurden 1959 von Herrn Heinrich Kunert als Rundstrickerei für Strumpfproduktion mit 30 Beschäftigten gegründet. Die Produktionsstätte Seebach wurde 1963 errichtet, 1969 beschäftigte das Werk Seebach 1770 Mitarbeiter. Bis Anfang der 1990er Jahre wurde das Unternehmen zu einer bedeutenden Chemiefaserspinnerei für synthetische Endlosgarne mit Garnveredelung und einer der modernsten Garnfärbereien ausgebaut. Nach der Wende wurde 1992 das Werk Glauchau in Sachsen gekauft, 1994 wurde die TWD Gruppe Aktionär des portugiesischen Textilunternehmens Fitor. Die Kuagtextil GmbH mit den Standorten Konz und Oberbruch wurde 1995/1998 vom holländischen Konzern Akzo übernommen. Die TWD-Gruppe ist heute auf Synthetikgarne für Autositze, Teppichböden, Heimtextilien und für die Bekleidungsindustrie spezialisiert, das Umsatzvolumen (der Gruppe) beträgt rund 196 Mio. EUR, allein am Standort Seebach 90 Mio. EUR.
»Die neue Insolvenzordnung bietet zahlreiche Möglichkeiten des Erhalts und der Sanierung eines Unternehmens«, betont die Geschäftsführung. Mit einem Insolvenzplan sollen nun Verlustbereiche des Unternehmens nicht weitergeführt und unrentable Teile abgespalten werden.

Ursachenforschung

Die Krise der TWD GmbH ist eine Folge der verschärften Marktsituation: Die stagnierende Nachfrage und die daraus resultierende beschleunigte Reduktion der Kapazitäten führt zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der Textilindustrie in West-Europa, von der auch die TWD Gruppe als Synthetikgarn-Produzent sehr stark betroffen ist. Der Preisvorteil der in US$ anbietenden Hersteller (Asien, USA, Türkei) beträgt inzwischen 25 % und mehr.
Bereits seit 2001 werden bei TWD tiefgreifende Restrukturierungsmaßnahmen geplant und umgesetzt. Jedoch habe sich die Verarbeitung von Polyester- (PES-) und Polyamid- (PA-) Filamentgarnen, dem Produktionsprogramm der TWD Gruppe, in 2004 gegenüber 2003 in West-Europa weiter verschlechtert. Die erhoffte Markterholung sei aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage in der WEU, des schwachen US$-Wechselkurses zum Euro und steigendem Importdruck aus Asien und der Türkei, nach wie vor nicht in Sicht.

Rückläufige Mengen führten in der gesamten textilen Wertschöpfungskette zu Verlusten, Liquiditätsproblemen und Zahlungsausfällen. Verschärft wurde diese Situation durch explodierende Rohstoffpreise ab dem 1. Quartal 2004. Diese negative Marktentwicklung, verursacht durch die Nachfrageschwäche in gesättigten Märkten und abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, wegen steigendem Importangebot aus Billiglohn-Ländern – verstärkt durch das Auslaufen der Quotenbeschränkung des Welt-Textilabkommens zum 01.01.2005 – ist nachhaltig und unumkehrbar.
Das Verhältnis westeuropäischer Garne zu Garnimporten im Verbrauch der EU-Textilien lag bei 40 Prozent bei PES und bei 70 Prozent bei PA. Für die TWD Gruppe hat das zur Folge, dass von den derzeit noch verfügbaren Kapazitäten in Polymerisation, Spinnerei und Garnveredelung rd. 50 Prozent nicht mehr kostendeckend zu vermarkten sind.
Auch für das Jahr 2005 konnte in der vorhandenen Struktur kein positives Ergebnis geplant werden. Aufgrund dieser Gegebenheiten und infolge der Insolvenz der Kuag Oberbruch GmbH ist für die Banken die Geschäftsgrundlage der Kreditgewährung entfallen. Deshalb musste die TWD GmbH Insolvenzantrag stellen.

Mit einem Insolvenzplan aus der Krise

Ein Insolvenzplan kann nicht nur innerhalb eines Insolvenzverfahrens, sondern bereits im Vorfeld aufgestellt und mit dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens dem Gericht vorgelegt werden. Diese Möglichmkeit eines sogenannten »Prepacked Plan« (PPP) wurde von der Geschäftsführung der TWD GmbH ergriffen. In Zusammenarbeit mit der Kanzlei für Wirtschaftsrecht, Dr. Drosdek, Dr. Rieger & Coll. wurde ein Sanierungsplan erstellt und dem Insolvenzgericht mit Antragstellung vorgelegt.

Dieser PPP stellt die überlebensfähige Struktur eines gesunden Unternehmenskerns am Standort Deutschland dar. Folgende Maßnahmen werden ergriffen: Eliminierung der Verlustbereiche des Unternehmens, Abspaltung von unrentablen Betriebsteilen, verträgliche und konzentrierte Maßnahmen im Personalbereich, möglichst Erhalt der Standorte bei gleichzeitigem Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze.
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