Die wirtschaftliche Lage der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie bleibt auch im Juli 2026 angespannt. Die Umsätze liegen weiterhin unter dem Vorjahresniveau, die Beschäftigung nimmt ab und die Produktionszahlen entwickeln sich rückläufig. Gleichzeitig zeigen sich jedoch einige stabilisierende Faktoren. Die Auftragseingänge und insbesondere die Auftragsbestände bewegen sich auf einem vergleichsweise hohen Niveau, die Exporte halten sich insgesamt stabil und die Erwartungen der Unternehmen haben sich in den vergangenen Monaten verbessert. Von einer nachhaltigen Erholung kann zwar noch nicht gesprochen werden, die aktuellen Daten lassen eine Bodenbildung wahrscheinlicher werden.
Die Umsätze lagen im Juli 2026 weiterhin unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Textilgewerbe wurde ein Rückgang von -4,0 % verzeichnet, in der Bekleidungsindustrie betrug das Minus -2,7 %. Für den Zeitraum Januar bis Juli ergibt sich damit ein Umsatzrückgang von -6,3 % bei Textil und -7,2 % bei Bekleidung. Die Zahl der Betriebe setzt ihren langfristigen Abwärtstrend fort. Ende Juli wurden im Textilgewerbe noch 303 Betriebe gezählt, im Bekleidungsgewerbe 88. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um -4,4 % beziehungsweise -7,4 %.
Die Beschäftigung entwickelt sich weiterhin rückläufig. Im Juli lag die Zahl der Beschäftigten insgesamt um -4,6 % unter dem Vorjahreswert. Textil und Bekleidung weisen dabei mit jeweils rund -4½ Prozent eine sehr ähnliche Entwicklung auf. Die geleisteten Arbeitsstunden sanken etwas stärker als die Beschäftigung und lagen insgesamt um -5,9 % unter dem Vorjahresniveau. Die Bruttolohn- und Gehaltssummen gingen im Juli deutlich zurück, im bisherigen Jahresverlauf jedoch lediglich um -3,3 % im Textil- und um -2,5 % im Bekleidungsbereich. Dies deutet weiterhin auf steigende Löhne und Gehälter trotz rückläufiger Beschäftigtenzahlen hin.
Die inländische Produktion1) zeigte im Juni zunächst eine gewisse Erholung, entwickelte sich im Juli jedoch wieder deutlich schwächer. Im Juli lag die Produktion im Textilgewerbe um -8,2 % und im Bekleidungsgewerbe sogar um -15,0 % unter dem Vorjahreswert. Für die ersten sieben Monate des Jahres ergibt sich damit ein Produktionsrückgang von -7,4 % bei Textil und -11,6 % bei Bekleidung.
Die Auftragseingänge bleiben volatil. Nach dem außergewöhnlich starken Juni fiel der Auftragseingangsindex im Textilgewerbe im Juli wieder auf ein normales Niveau zurück und lag leicht unter dem Vorjahreswert. Im Bekleidungssegment wurde dagegen ein Plus von +6,0 % erzielt. Insgesamt ergibt sich für die ersten sieben Monate des Jahres ein Anstieg der Auftragseingänge um +13,2 % bei Textil und um +0,1 % bei Bekleidung. Besonders positiv entwickelt sich weiterhin der Auftragsbestand, der in beiden Teilbranchen deutlich über dem Vorjahresniveau liegt und auf eine verbesserte Auslastung der Unternehmen hindeutet.
Die Erzeugerpreise steigen weiter moderat. Im Juli lagen die Preise für Textilerzeugnisse um +3,2 % und für Bekleidungserzeugnisse um +2,2 % über dem Vorjahresniveau. Für den Zeitraum Januar bis Juli ergibt sich in beiden Teilbranchen ein Preisanstieg von rund +2 %.
Der Umsatz im Bekleidungseinzelhandel entwickelte sich zuletzt etwas freundlicher. Im Zeitraum Januar bis Juli liegt ein leichtes Plus von +0,2 % vor, während der gesamte Einzelhandel im selben Zeitraum um +2,0 % zulegen konnte. Damit bleibt die Entwicklung des Bekleidungseinzelhandels weiterhin hinter der des gesamten Einzelhandels zurück.
Im Außenhandel zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Textilexporte lagen im Zeitraum Januar bis Juli geringfügig um +0,2 % über dem Vorjahresniveau. Die Bekleidungsexporte waren dagegen um -2,8 % rückläufig. Gleichzeitig gingen die Importe deutlich stärker zurück als die Exporte. Der Einfuhrüberschuss verringerte sich dadurch in den ersten sieben Monaten des Jahres um -14,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
ifo-Konjunkturklimaindex September 2026
Das Konjunkturklima der deutschen Industrie steigt seit drei Monaten stetig an. Sowohl Erwartungen als auch Lageeinschätzungen verbesserten sich zusehends. Auch die Unternehmen der Textilindustrie waren zuletzt optimistischer, insbesondere was die kurzfristigen Erwartungen angeht. Die Entwicklung in der Bekleidungsindustrie ist insgesamt volatiler, aber ein positiver Trend lässt sich auch hier ausmachen. Die Auftragslage bleibt jedoch schwach und lässt noch immer zu wünschen übrig.
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