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Von der Wolle
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Neue Ausstellung in der Tuchfabrik Müller in Euskirchen zeigt 200 Jahre Textil- und Technikgeschichte

Die neue Sonderausstellung „Von der Wolle – eine Geschichte von Tieren, Maschinen und Menschen von 1800 bis heute“ zeigt ab dem 10. Mai 2026 in der Tuchfabrik Müller des LVR-Industriemuseums die wechselvolle Geschichte des Rohstoffs Wolle.

Wolle und Textilindustrie im 19. Jahrhundert
Bereits um 1800 stieg europaweit die Nachfrage nach besonders feiner Wolle. Neu entwickelte Textilmaschinen stellten zunehmend präzise Anforderungen an das Material Wolle – etwa an Faserlänge und Kräuselung. In der Folge wurden Schafrassen gezielt gezüchtet, um den industriellen Bedürfnissen zu entsprechen.

Ersatzstoffe und Imagekrise
Im 20. Jahrhundert geriet Wolle durch Ersatzstoffe wie Kunst- oder Reißwolle zunehmend unter Druck. Diesen Trend verstärkten ab 1933 Rohstoffknappheit und die nationalsozialistischen Autarkiepläne. Schlechte Trageeigenschaften führten bei den Konsumentinnen und Konsumenten zu einem Vertrauensverlust, während vermeintlich pflegeleichte synthetische Fasern den Markt eroberten. Erst mit der Umweltbewegung der 1970er Jahre begann sich das Image von Wolle wieder zu verbessern.

Zwischen Nachhaltigkeit und globalem Markt
Heute wird das Naturmaterial Wolle wieder neu entdeckt. Unternehmen und Initiativen erforschen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, auch jenseits von Mode und Bekleidung. Aspekte wie Tragekomfort, Langlebigkeit und biologische Abbaubarkeit stehen Erfahrungen von kratziger Kleidung, Verfilzung und Mottenbefall gegenüber. Auch Fragen nach Tierwohl und CO₂-Bilanz werden lauter.

Während der globale Wollmarkt von großen Produzenten mit riesigen homogenen Herden und zum Teil umstrittenen Haltungsmethoden in Australien und Neuseeland geprägt ist, setzen regionale Initiativen verstärkt auf nachhaltige Schafhaltung und neue Nutzungskonzepte.

Ausstellung und Begleitprogramm
Die Ausstellung lädt auf rund 550 Quadratmetern zu einer Entdeckungsreise durch die überraschende Vielfalt der Wollnutzung ein. Die 200 Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus der museumseigenen Sammlung. Restauratorinnen des LVR-Industriemuseums und Studierende der TH Köln haben sie untersucht – mit teils unerwarteten Ergebnissen.
Die Objekte geben Einblicke in die unterschiedlichen Facetten der Wolle: Ein Vorspinnkrempel eines Aachener Tuchfabrikanten aus dem Jahr 1860 steht für die komplexen Verarbeitungsschritte des Rohstoffes. Ein Reisekleid von 1880 bestach durch besten Wetterschutz – und zeigt, dass Wolle durch die richtige Bearbeitung funktionale Eigenschaften erhält. Das spiegelt sich auch bei technischen Anwendungen wie Tennisbällen oder Klaviertasten wider. Schafmodelle zeigen die Vielfalt von zum Teil ausgestorbenen Schafrassen. Historische Abbildungen und Medienstationen ergänzen die Präsentation.

Wer selbst genauer hinschauen möchte, kann an einem Mikroskop die eigene Kleidung ganz wortwörtlich unter die Lupe nehmen.

Ausstellungskatalog
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der das Verhältnis von Tierzucht, Technikgeschichte und Mode aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Weitere Informationen sowie das gesamte Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie auf der Website des LVR-Industriemuseums: http://lvr.de/tuchfabrik-mueller

LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße 25b
53881 Euskirchen

Laufzeit: ab 10. Mai 2026

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags 11 – 18 Uhr

Eintrittspreise: 6 € Erwachsene, ermäßigt. 4 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.

Informationen zu Besuch und Buchungen von Führungen bei Kulturinfo Rheinland per Mail an info@kulturinfo-rheinland.de, oder telefonisch unter: 02234/9921-555 (Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 10-15 Uhr)


Über das LVR-Industriemuseum
Das LVR-Industriemuseum umfasst sieben Museumsstandorte im Rheinland und erweckt an Original-Schauplätzen das industrielle Erbe des Rheinlands zu neuem Leben. Die Museen in den teils denkmalgeschützten Fabriken bieten Technik- und Industriegeschichte zum Anpacken und erzählen anschaulich von den Menschen, die hier einst gearbeitet haben.

Zu entdecken gibt es die St. Antony-Hütte in Oberhausen, die Textilfabrik Cromford in Ratingen, die Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen, die Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach, das Kraftwerk Ermen & Engels in Engelskirchen, die Tuchfabrik Müller in Euskirchen, den Peter-Behrens-Bau in Oberhausen und voraussichtlich ab Herbst 2027 wieder die Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen.

Ihren Sitz hat die Zentrale des LVR-Industriemuseums in Oberhausen. Hier befinden sich Direktion und Verwaltung sowie Depots, Bibliothek, Fotoarchiv und Werkstätten. Gründer und Träger des LVR-Industriemuseums ist der Landschaftsverband Rheinland (LVR).


Bild: Wollproben der Deutschen Wollgesellschaft, 1919 © LVR-Industriemuseum


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