Das Jahr 2025 war für die Textil- und Bekleidungsindustrie das zweite Jahr in Folge mit rückläufigen Konjunkturzahlen.
Umsatz, Beschäftigung und Außenhandel waren im Minus. Lediglich der Einzelhandel verzeichnete ein leichtes nominales Plus. Die Beschaffungspreise haben sich auf hohem Niveau stabilisiert. Die Umfrageergebnisse der jüngeren Vergangenheit spiegeln einerseits die Stagnation der vergangenen Monate, andererseits zeugen sie auch von einer verhaltenen und andauernden Zuversicht.
Das Jahr 2025 im Einzelnen:
Umsatz
Nominal verliert die deutsche Textil- und Modeindustrie im Jahr 2025 insgesamt -2,6 % an Umsatz. Nach 2024 ist es damit das zweite Jahr in Folge, in dem beide Segmente und die Gesamtbranche insgesamt Umsatzverluste verzeichnen. Im Textilsegment sinken die Umsätze mit einem Minus von -3,2 % nicht nur kräftiger als bei Bekleidung mit -1,8 %, für Textil ist es auch bereits das dritte Jahr in Folge mit einem Umsatzverlust, was auch auf die deutlich gesunkene Zahl der Textilbetriebe in Deutschland zurückzuführen ist. Für das Bekleidungssegment ist es nach 2024 das zweite Verlustjahr in Folge. Bei Bekleidung war die Umsatzentwicklung über das Jahr hinweg volatiler, während es im Textilsegment stetig zu Rückgängen kam: Elf von zwölf Monaten des Jahres 2025 waren Verlustmonate.
Die Segmententwicklung
Bei der Entwicklung der Teilsegmente wird bei Textil deutlich, dass die schwachen, insbesondere die klassischen Vorstufensegmente verloren haben. Zuwächse gab es bei den Seilerwaren und den technischen Textilien, die die kräftigen Gesamtverluste jedoch nicht kompensieren konnten. Auch das bedeutende Segment der Vliesstoffe, das 2024 noch gegen den Trend wachsen konnte, hat im abgelaufenen Jahr 2025 Verluste verzeichnet.
Im Bekleidungssegment war die Entwicklung im vergangenen Jahr 2025 demgegenüber heterogener: Ein deutliches Umsatzminus verzeichneten die Hersteller von Oberbekleidung, während die Arbeits- und Berufsbekleidung sowie die Strumpfwaren zulegen konnten. Das reichte aber auch bei Bekleidung nicht aus, um die Bekleidungsumsätze insgesamt ins Positive zu drehen.
Die Umsätze nach Zielregion zeigen nach 2024 nochmals, dass bei Textil der schwindende Auslandsumsatz in Zielländer außerhalb der EU besonders belastend war und nicht, wie häufig in der Vergangenheit, unterstützend gewirkt hat. Das konnte auch durch gestiegene EU-Umsätze nicht kompensiert werden. Hinzu kommt, dass die Textilunternehmen auch im Inland weniger Umsätze erzielen konnten. Bei Bekleidung hingegen sinken die Auslandsumsätze in sämtlichen Zielregionen; die im Inland etwas stärker, insgesamt jedoch weniger stark als bei Textil.
Die Beschäftigtenzahlen sanken wie schon 2024 im vergangenen Jahr 2025 nochmals so deutlich wie seit der Corona-Zeit nicht mehr. Im Jahr 2025 gingen die Beschäftigtenzahlen um insgesamt -4,6 % zurück. Textil hat, wie schon im vergangenen Jahr, aufgrund der schlechteren Gesamtzahlen des Jahres, im Jahresdurchschnitt mit -5,8 % mehr Mitarbeiter abgebaut als Bekleidung mit -2,1 %.
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt -5,4 % weniger Arbeitsstunden in der Textil- und Modeindustrie geleistet. In der Textilindustrie mit -6,0 % etwas mehr als in der Bekleidungsindustrie mit -4,0 %. Aufgrund von Lohn- und Gehaltssteigerungen sind die Lohn- und Gehaltssummen insgesamt nur leicht gesunken, und zwar um -0,4 %. Bei Textil wurden -1,6 % weniger Löhne und Gehälter gezahlt, während bei Bekleidung die Löhne und Gehälter mit einem Plus von +1,9 % sogar etwas gestiegen sind.
Produktion
Die inländische Produktion1) ist hingegen in beiden Teilsegmenten im vergangenen Jahr zurückgegangen: die Textilproduktion um -4,4 %, die Bekleidungsproduktion um -5,7 %.
Preise
Die Beschaffungspreise für Rohstoffe haben sich im vergangenen Jahr meist moderat entwickelt. Aufgrund der zögerlichen wirtschaftlichen Entwicklung und globaler Unsicherheiten sind etliche Preise auch etwas gesunken. Insgesamt bewegen sich die Preise jedoch nach wie vor deutlich über dem Vor-Corona-Niveau. Besonders die gestiegenen Energiepreise wirken sich auf die Beschaffungspreise aus. Die Kosten für Seespedition bewegen sich hingegen auf vergleichsweise niedrigem Niveau.
Die Erzeugerpreisindizes (Verkaufspreise Inlandsabsatz) für Textilien und Bekleidung entwickeln sich seit einigen Jahren stetig mit weiterhin geringen Steigerungsraten: im vergangenen Jahr bei Textil um +1,0 %, bei Bekleidung um +2,9 %.
Einzelhandel
Der gesamte Einzelhandel hat nominal im Jahr 2025 um +3,7 % Umsatz zulegen können (real waren es +2,9 %). Der Bekleidungseinzelhandel hat hingegen nominal 2025 nur +0,8 % Umsatz hinzugewonnen, was real einem Nullwachstum entspricht.
Außenhandel
Das Exportvolumen insgesamt sinkt, wie schon in den zwei Jahren zuvor. Im Jahr 2025 waren es -0,4 % weniger Textilexporte und -3,1 % weniger Exporte an Bekleidungsprodukten. Insgesamt sanken die Ausfuhren um -2,3 %.
Vom Rückgang der Exporte war nochmals, wie schon in den Vorjahren, insbesondere die mit Abstand wichtigste Region betroffen, nämlich der EU-Binnenmarkt. Innerhalb der EU-Zielländer gab es teils erhebliche Verschiebungen, insbesondere in die großen EU-Zielländer wie Österreich, Polen, die Schweiz oder auch Luxemburg.
Diese Länder sind jedoch meist nicht die Endabnehmer. Der wichtigste außereuropäische Exportmarkt, die USA, verzeichnete trotz einem Zuwachs bei den Bekleidungsexporten insgesamt einen Rückgang. Die einzige positive, allerdings vergleichsweise unbedeutende Entwicklung nahmen die Exporte auf den afrikanischen Kontinent.
Die großen Partnerländer Deutschlands konnten 2025 ihre Importe meist steigern, insbesondere China, aber auch Vietnam, Bangladesch, Kambodscha und Indien. Ägypten führte ebenfalls deutlich mehr nach Deutschland ein, während die Türkei als bedeutendes Herkunftsland erheblich weniger nach Deutschland ausgeführt hat.
Der ifo-Geschäftsklimaindex hat sich für die gesamte Industrie im Verlauf des Jahres 2025 kaum verändert. Insbesondere die Geschäftsbeurteilungen haben sich kaum bewegt. Leicht gestiegen sind hingegen die Erwartungen. Ein ähnlicher Befund lässt sich auch für die Textil- und Bekleidungsindustrie stellen, auch wenn die Entwicklung innerhalb des Jahres volatiler verlief. Die in den vergangenen Monaten vergleichsweise optimistischen Erwartungen bilden eine Hoffnung der Unternehmen auf eine Trendwende ab, die bisher nicht erfüllt werden konnte.
Kurzfristige Perspektiven
Die Konjunkturumfrage von Anfang 2026 des Gesamtverbandes textil+mode zeigt einen ähnlichen Befund: Sowohl bei Textil als auch bei Bekleidung steigen die Werte leicht an. Allerdings ist dies wie auch bei der Industrie insgesamt zu großen Teilen auf optimistischere Zukunftseinschätzungen zurückzuführen, die noch durch die Realität bestätigt werden müssen. Hinzu kommt, dass in der Umfrage erheblich mehr Unternehmen bei der Frage nach Lage und Erwartungen „neutral“ geantwortet haben, was auch als Ausdruck zunehmender Unsicherheit gewertet werden kann. Dennoch ist festzustellen, dass aufgrund eines kontinuierlichen und gestiegenen Optimismus der Unternehmen eine Hoffnung auf eine Trendwende im laufenden Jahr 2026 nicht unbegründet erscheint.
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