Im Rahmen einer einwöchigen Roadshow kommt eine Delegation afrikanischer Unternehmen und Verbände aus Ghana, Senegal, Äthiopien, Marokko und anderen Ländern in der ersten Septemberwoche nach Deutschland. Organisiert und begleitet wird die Roadshow von der Akademie für Textilveredlung. Die Reise startet in München mit Workshops und Firmenbesuchen. Am 2. und 3. September präsentieren sich die Hersteller auf einem Gemeinschaftsstand bei der Fachmesse Munich Fabric Start.
Am 4. September findet ein großer Netzwerktag mit interessierten Unternehmen aus Deutschland statt, welche die afrikanischen Produzenten kennenlernen wollen. Gastgeber des englischsprachigen Events unter dem Titel „Textile & Apparel Made in Africa“ ist das Prüf- und Textilinstitut Hohenstein in der Nähe von Heilbronn. Hohenstein ist vor allem bekannt durch seine Zertifizierungsangebote rund um das Öko-Tex-Siegel. Neben vielen Informationen zum Sourcing in Afrika und zu Themen der fairen und nachhaltigen Lieferkette, Zertifizierungen und anderes mehr bietet die Veranstaltung viel Raum, sich untereinander zu vernetzen.
Textilproduktionen in Fernost, etwa in China, Indien oder Bangladesch, gelten mehr oder weniger als Standard in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Wenn es schnell gehen muss, zieht es die Textilkarawane in die Türkei, nach Nordafrika oder in europäische Länder wie Portugal, Bulgarien, Rumänien und anderswo. Die afrikanischen Länder südlich der Sahara sind in Textilkreisen noch weitgehend unbekannt, wenn es um die Beschaffung von Textilien und Bekleidung geht. Dabei befinden sich Textilproduzenten beispielsweise in Ghana, Senegal oder Äthiopien auf dem aufstrebenden Ast.
Der Markt für Textil- und Bekleidungsproduktion ist global. Ein Großteil der Berufsbekleidung, Sportswear, Werbetextilien, Merch-Produkte und andere Textilien, die im Markt für Textilveredlung verarbeitet und als Corporate Wear eingesetzt werden, kommt aus Asien. Zugleich suchen aber Agenturen und Textilunternehmen in Deutschland immer mehr nach Alternativen. „Die Beschaffung in Asien wird aufgrund langer Lieferzeiten, politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten sowie den Nachhaltigkeitsanforderungen immer öfter auf den Prüfstand gestellt“, sagt Stefan Roller-Aßfalg von der Akademie für Textilveredlung, der ständig im Austausch mit den Akteuren der Textilveredlungsbranche ist. Bei der Suche nach alternativen Beschaffungskanälen rücken Länder der Sub-Sahara dabei immer mehr in den Fokus.
„Die afrikanische Region südlich der Sahara stellt immer mehr Standorte für die Textilproduktion, welche sich weiterentwickeln und über Compliance und Preiswettbewerb an den internationalen Markt anschließen“, berichtet Salvador Braedt, Berater des Sektors der Öffentlichen und Privaten Beschaffung bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bietet die GIZ unter dem Titel „Invest for Jobs“ eine Reihe von Angeboten an, um deutsche, europäische und afrikanische Unternehmen bei ihrem beschäftigungswirksamen Engagement in Afrika zu unterstützen.
Im Rahmen der Sonderinitiative „Gute Beschäftigung für sozial gerechten Wandel“ – so der offizielle Titel – bringt die GIZ verschiedene Akteure aus Ägypten, Äthiopien, Ghana, Marokko, Ruanda, Tunesien und Senegal mit deutschen und europäischen Unternehmen zusammen und unterstützt sie beim Aufbau langfristiger Geschäftsbeziehungen. Dabei werden Kontakte hergestellt und weitere Unterstützungsmöglichkeiten eruiert, um Investitionshemmnisse abzubauen.
Projekte des Matchmakings
„Ein Ziel der Maßnahme ist es, das wirtschaftliche Engagement mit einem Beitrag für einen sozial gerechten Wandel und für faire Löhne zu vereinen. Das Programm umfasst Angebote bei allen Themen rund um die Lieferkette, die Kommunikation, die Logistik, Zertifizierungen und vieles mehr“, sagt Bianca Seidel. Sie ist eine internationale Expertin für nachhaltige Textilien und Bekleidung und begleitet das GIZ-Projekt. Derzeit verlinkt sie im Auftrag der GIZ interessierte Unternehmen aus Europa mit den Produzenten aus Afrika, um gemeinsame Geschäftsaktivitäten aufzubauen. Viele mittlere bis große deutsche und europäische Textil- und Bekleidungsunternehmen haben bereits Interesse signalisiert, zukünftig auch in Afrika investieren zu wollen und damit wirksame Beschäftigungsverhältnisse zu sichern.
Die Veranstaltung „Textile & Apparel Made in Africa“ am 4. September richtet sich an Unternehmen, die Sonderproduktionen in Auftrag geben, nach fairen Lösungen suchen, die Lieferketten im Griff haben wollen und neue Lieferanten aus Afrika kennenlernen wollen. Interessierte können sich kostenfrei und formlos per Mail an anmeldung@aka-tex.de anmelden.