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Mitten in der Rezession
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Die jüngsten Umsatz-, Produktions- und Beschäftigungsdaten aus November zeigen bereits eine sich weiter abkühlende Konjunkturlage. Der schwache Export verstärkt diesen Trend noch. Die Textilindustrie ist besonders durch die Schwäche bei den technischen Textilien betroffen. Der Bekleidungssektor, der sich in der ersten Jahreshälfte 2023 noch erfolgreich behauptet hatte, büßt die Zuwächse in der zweiten Jahreshälfte wieder ein. Entsprechend schlecht sind die Umfragewerte. Laut ifo-Institut befindet sich Deutschland Anfang 2024 „mitten in der Rezession“.

Die Umsätze in der Gesamtbranche sind per November um +2,8 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Während Textil -1,6 % weniger Umsatz verzeichnet, sind es bei Bekleidung bis November +10,7 % mehr. Bei Textil müssen insbesondere die Hersteller technischer Textilien zweistellige Umsatzverluste hinnehmen. Die steigenden Bekleidungsumsätze werden aber relativiert, wenn man bedenkt, dass die Anzahl der Betriebe, die der Erhebung zugrunde liegen, sich (durch statistische Effekte wegen der Abschneidegrenze von 50 MA) bei Bekleidung im November deutlich erhöht hat (+4,0 %), bei Textil aber um -0,6 % gesunken ist. Zudem ist die Entwicklung bei Bekleidung bis etwa Mitte 2023 expansiv, seitdem aber klar rückläufig gewesen. Im Monat November beispielsweise stiegen die Umsätze nominal nur um +1,0 %. Insgesamt ist der Umsatztrend also derzeit bei Bekleidung rückläufig.

Die Beschäftigung entwickelt sich tendenziell entsprechend zu den Umsätzen und der Anzahl der Betriebe: bei Textil sind es Ende November -2,2 % weniger als im Vorjahr, bei Bekleidung sind es +3,8 % mehr. Die geleisteten Arbeitsstunden sinken bei Textil entsprechend der Beschäftigung, aber auch aufgrund niedrigerer Produktion und Umsätze per November um -1,8 %, bei Bekleidung steigen sie hingegen um +4,6 %. Die Bruttolohn- und Gehaltssummen steigen überproportional aufgrund von Lohnsteigerungen: bei Bekleidung um +7,9 % per November, bei Textil trotz des Rückgangs der Beschäftigung und der Anzahl der Unternehmen um +2,3 %.

Die inländische Produktion1) sinkt im bisherigen Verlauf des Jahres 2023 in beiden Teilsegmenten: bei Textil um -7,1 % per November 2023, bei Bekleidung um -3,5 %, allerdings bei sehr hohen Werten im Vorjahr. Bei Bekleidung ist zudem der Abwärtstrend der letzten drei Monate sichtbar: -10,4 % Produktionsrückgang allein zwischen September und November 2023.

Bei den Auftragseingängen kann Textil nach einer Phase stetiger Rückgänge mit +1,2 % im November nach +3,1 % im Oktober wieder eine leichte Steigerung verbuchen, im Gesamtjahr sinken die Auftragseingänge aber um -5,2 %. Die Auftragseingänge bei Bekleidung entwickeln sich volatiler; im Gesamtjahr steigen die Auftragseingänge per November leicht um +1,3 %. Die aktuellsten ifo-Befragungen im Januar zeigen deutlich, dass sich die Auftragslage bei Bekleidung in den vergangenen Monaten rasant verschlechtert hat. So sank z. B. der durchschnittliche Auftragsbestand von 3,3 auf 2,6 Monate. Entsprechend pessimistisch fallen die kurzfristigen Geschäftsbeurteilungen aus. Bei Textil war die Auftragslage in den vergangenen Monaten unbefriedigend eingeschätzt und sie hat sich auch Anfang des Jahres nicht verbessert. Die durchschnittliche Auftragsreichweite beträgt hier 1,7 Monate.

Die Erzeugerpreise steigen weiterhin nach dem Inflationsschub der vergangenen Monate vergleichsweise moderat: im Monat November um +1,7 % (Textil) bzw. um +3,2 % (Bekleidung). Per November steigen die Erzeugerpreise bei Textil um +5,6 %, bei Bekleidung sind es +5,0 %.

Der nominale Umsatz im Bekleidungseinzelhandel wächst nach einem starken Jahresanfang und einer kurzen Schwächephase im Sommer wieder (+1,5 % im November), und zwar stärker als der Einzelhandel insgesamt (+1,0 %). Per November beläuft sich der nominale Zuwachs auf +4,0 %, beim gesamten Einzelhandel waren es lediglich +2,7 %.

Der Außenhandel durchläuft bei Textil und Bekleidung derzeit eine Schwächephase. Bis November haben die Textilunternehmen nominal -6,0 % weniger Waren exportiert, bei Bekleidung waren es -0,7 %. Hier zeigt sich, dass die Auslandsumsätze der Unternehmen das rasch wieder erreichte Vor-Corona-Niveau des Jahres 2022 nicht halten konnten. Die Importe sinken noch deutlicher in beiden Teilsegmenten mit zweistelligen Raten.

Der Einfuhrüberschuss sinkt aufgrund des hohen Importrückganges per November 2023 um -42,3 %.

Die Rohstoffeinfuhren sinken aufgrund der hohen Rohstoffpreise des Vorjahres teils preisbedingt um -24,3 %.

ifo-Konjunkturklimaindex Januar 2023
Laut ifo-Institut befindet sich Deutschland „mitten in der Rezession“. Dabei hat das Konjunkturklima für das verarbeitende Gewerbe im Monat Januar sogar etwas zulegen können, sämtliche übrigen Sektoren rutschten aber teils deutlich ab. So auch die Textil- und die Bekleidungsindustrie. Besonders nachdenklich stimmt, dass weniger die Lage als vielmehr die kurzfristigen Erwartungen deutlich pessimistischer eingeschätzt werden als noch Ende 2023. Am pessimistischsten zeigen sich die Hersteller der technischen Textilien, die auch ihre Lage überdurchschnittlich negativ beurteilen. Die einbrechende Auftragslage dominiert aktuell die sich eintrübende Stimmung deutlich stärker als Fachkräftemangel, Preise oder Ertragslage.