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Technologie für transparente Supply Chains ist vorhanden
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Chancen und Grenzen des geplanten Lieferkettengesetzes – das ist eines der Top-Themen der Konferenz „Logistikanforderungen von globaler Beschaffung bis zum urbanen Omnichannel“ am 19. August im Jahrhunderthaus Bochum. Veranstalter ist die Setlog AG in Kooperation mit dem Kompetenznetz Logistik.NRW und der Regionalgruppe Ruhr der Bundesvereinigung Logistik.

Im Rahmen der hybriden Konferenz wird Ansgar Lohmann, Bereichsleiter CSR beim Modeunternehmen KiK, darüber berichten, wie mithilfe eines digitalen Lieferantenmanagements bessere Arbeits- und Produktionsbedingungen erzielt werden können. Der Fashionanbieter nutzt die Setlog-Software OSCA Vendor Compliance Management, um Lieferketten transparent und nachhaltig gestalten zu können.
„Die Technologie für transparente Supply Chains ist längst vorhanden. Es gibt viele Beispiele, wie Unternehmen ihr Möglichstes dafür tun, dass es in ihrer Kette zu keinen Verstößen gegen Menschenrechte und Umweltstandards kommt“, betont Setlog-Vorstand Ralf Düster.

Damit die Compliance-Regeln eingehalten werden, hält Düster eine freiwillige Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft für nicht besonders wirksam. Ein Lieferkettengesetz, das es beispielsweise in Frankreich und Großbritannien bereits gibt, sei hierzulande überfällig. Düster: „Gerade für komplexe Lieferketten braucht die Wirtschaft klare Mindeststandards. Das schützt die engagierten Firmen und bringt diejenigen unter Druck, die das Thema auf die leichte Schulter nehmen.“

Der SCM-Experte aus Bochum warnt gleichzeitig davor, das Gesetz überhastet einzuführen. Seiner Meinung nach muss sich die Regierung intensiv mit Unternehmen über die Umsetzung austauschen, um im Arbeitsalltag ein Bürokratiemonster zu vermeiden. „Am wirkungsvollsten ist nicht ein nationaler Alleingang, sondern eine internationale Initiative, die alle Industrieländer in die Pflicht nimmt. Nur so kann eine globale Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen verhindert werden“, ist Düster überzeugt. Die EU-Ratspräsidentschaft böte hierzu eine erste Chance auf internationalem Parkett. So wäre auch eine gemeinschaftliche Lösung mit klaren Regeln für die Entwicklungs- und Schwellenländer am effektivsten.

Nach Ansicht des Setlog-Vorstands muss die Politik zudem bei der Haftungsfrage zu pragmatischen Regelungen kommen, sodass in Verträgen Themen wie Arbeitszeiten, Entlohnung und Arbeitssicherheit festgehalten werden können.

Ein Kraftakt bleibt es, denn es gibt noch Grenzen in puncto Transparenz. Je tiefer man in die Supply Chain eindringe, desto schwieriger werde die Kontrolle, erläutert Düster: „Vorlieferanten zu kontrollieren ist schon eine Herausforderung. Noch schwieriger werden die weiteren Schritte. Bei einem Hemd kann ein deutsches Modeunternehmen zwar nachvollziehen, wo und wie es in Bangladesch produziert wurde. Es ist aber schwierig zu verfolgen, woher genau die Baumwolle kommt oder gar, ob ein Landwirt auf seiner Baumwollplantage die Düngemittelverordnung eingehalten hat.“ Ähnliche Probleme haben auch andere Branchen: Ein Autohersteller kennt den Produzenten und Lieferanten eines Elektronikteils. „Aber es ist noch schwer nachzuvollziehen, woher die seltenen Erden für darin verbaute Halbleiter kamen“, so Düster. Vor ähnlichen Herausforderungen stehen auch Hersteller von Konsumgütern wie etwa Handys oder Computern.

Wie Lieferketten transparent werden können und mit welche Erfolgsrezepten Unternehmen in der globalen Beschaffung punkten, sind zentrale Themen der hybriden Veranstaltung am 19. August. Weitere Informationen und Anmeldung unter https://www.setlog.com/events


Bild: Schneider bei der Arbeit: Mithilfe von SCM-Plattformen können Modemarken kontrollieren, ob Lieferanten gegen Arbeitsrechte oder Umweltstandards verstoßen. Foto: Sin Abrochar/unsplash