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SpacerFabric Pavillon, Bild: Christoph Lison
Funktionstextilien: Performance und Funktion nehmen zu
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Ob akustisch wirksam, natürlich brandhemmend oder gar selbsttragend: Stoffe für den Innen- als auch den Außenraum begeistern mit weiterentwickelten Funktionen.

Auch wenn Architekt Peter Ippolito jüngst auf einem Design-Talk sinnierte, dass der Erfolg von Textilien nicht an der Funktion festzumachen sei, sondern an ihrem dekorativen Wert, so ist es gerade die schallabsorbierende Wirkung, die Stoff derzeit in den Mittelpunkt eines aufstrebenden Spezialgebietes stellt. Die Akustik eines Raumes lässt sich seit jeher durch Textilien wie Teppiche, Polsterbezüge und Gardinen verbessern. Steigern lässt sich dies durch akustisch wirksame Stoffe dank spezieller Bindungsarten oder Wattierungen bis hin zu fertigen Systemen.
Akustisch wirksame Textilien, aber auch andere objekttaugliche Neuheiten und Produkte wie modulare Teppiche, Sonnenschutz oder innovative Wandbeläge und natürlich flammhemmende Stoffe für den öffentlichen Raum darf man unter dem Stichwort „Interior.Architecture.Hospitality“ auf der kommenden Heimtextil vom 8. bis 11. Januar 2019 in Frankfurt am Main erwarten, die mit rund 500 über die Messe verteilten Ausstellern speziell für die Objektbranche aufwartet. Als konzentriertes Format gibt es die spezielle Interior.Architecture.Hospitality Expo in Halle 4.2. In der gleichen Halle präsentiert sich auch Trevira mit 22 Partnerunternehmen, die das flammhemmende Objektgarn Trevira CS verwenden. Ebenso in Halle 4.2 befindet sich der Gemeinschaftsstand „Carpet by Heimtex“ mit einer Auswahl an Bodenbelagsherstellern des Verbands der deutschen Heimtextil-Industrie e.V..

Wie wirksam der Schall absorbiert wird, machen Akustiker am spezifischen Strömungswiderstand fest, der Auskunft gibt, wie sehr das Textil Schall reflektiert oder absorbiert. Durch den daraus abgeleiteten Absorptionsgrad, der nach einem Verfahren der DIN EN ISO 11654 ermittelt wird, ergeben sich die Schallabsorberklassen A, B, C, D oder E. Werte für αw von mehr als 0,90 werden etwa der Schallabsorberklasse A zugeordnet – wobei Werte über 1 einer vollständigen Schallabsorption entsprechen –, Werte zwischen 0,15 und 0,25 der Schallabsorberklasse E. Der alleinige Blick auf den Schallabsorptionsgrad reiche aber nicht unbedingt aus, denn auch Aspekte wie der Frequenzbereich seien ausschlaggebend für eine gute Hörsamkeit und schließlich Sprachverständlichkeit in einem Raum, gibt Markus Overbeck, Marketingleiter bei Schmitz Textiles, die sich verstärkt unter der Marke Drapilux (Heimtextil: Hall 8.0, Stand C56) dem Thema widmen, zu bedenken.

Flexible Grundrisse
Während sich alle gerade erst auf dieses Thema zu stürzen scheinen, spielt ein Anbieter diese Karte locker und mit hoher Kompetenz: Gerriets aus Umkirch bei Freiburg stattet seit mehr als 50 Jahren Bühnen wie Opern, Theater und Veranstaltungssäle aus. Jüngst hat der Global Player mit eigener Weberei und Konfektion aus dem Boden fahrbare Absorberbanner in der Elbphilharmonie installiert. Neuster Programmzuwachs ist ein Vorhang für Büros, der mit seinen 5 bis 12 Lagen sowie einem speziellen Inlay einen Geräuschpegel von bis zu 26 Dezibel schluckt (das entspricht etwa dem Geräuschpegel eines Ventilators). Diesen Dimout-Vorhang, den Gerriets (Heimtextil: Halle 4.2, Stand E14) mit einem ausgeklügelten automatisch steuerbaren Schienensystem liefern kann, gibt es jetzt sogar mit eingebautem Sichtfenster.

Durch diese Art Zonierung erreichen akustisch wirksame Vorhänge die Funktion einer Wand. Dies machte bereits Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich mit dem „Café Samt & Seide“ anlässlich der Messe „Die Mode der Dame“ am Berliner Funkturm im Jahr 1927 vor. So können im Handumdrehen ohne große Baumaßnahmen unterschiedliche Räume geschaffen werden. Gerade im Office-Bereiche, der durch einen hohen Grad an Zonen zwischen Agilität und Konzentration gekennzeichnet ist, wird vermehrt auf diese Funktion des Vorhangs als raumkonstituierendes Element zurückgegriffen.

Gepusht wird das Thema Akustik-Stoffe nun in Richtung Transparenz: So stellte jüngst BuzziSpace, einer der führenden Akustik-Spezialisten in puncto Design, das Cabin-Gestell Bracks samt neuem transparenten Akustik-Stoff Drops von Patricia Urquiola für Kvadrat vor. Eine wahre Alternative zu den vielen transparenten, abgeschlossenen Glaszellen, die nun häufig in angesagten Coworking-Flächen auftauchen. Auch andere Hersteller wie Drapilux, Gerriets oder Vescom (Heimtextil: Halle 3.1, Stand B33) zeigen solche Leisemacher mit Durchblick. Zutat ist unter anderem ein eingearbeitetes Folienbändchen.

Solider Stoff
Ebenso wenig zu vernachlässigen sind aber Filze und Vliesstoffe, die häufig als Platten eingesetzt werden oder mit denen man ganze Raumskulpturen kreieren kann – wie es etwa Cabs Design (Heimtextil: Hall 9.0, Stand C61) macht. Das junge Unternehmen von Professor Bernd Benninghoff verwendet für seine Wand- und Deckenelemente den von M&K Filze produzierten Faserverbundstoff Nitona, der sich durch seine hohe Schallabsorption in einem breiten Frequenzbereich auszeichnet und kombiniert diesen mit natürlichem Wollfilz. Auch Richard Wernekinck bietet Wollfilz unter seiner Marke Hollandfelt als Schallabsorber an – nun bis zu einer Dicke von 10 Millimetern und bis zu 92 Prozent Absorption (Heimtextil: Halle 4.2, H75). In eine ähnliche Richtung geht auch das junge Projekt Fibermates von Laura Jungmann, Jonathan Radetz, Martha Schwindling und Elena Tezak, die sich mit der Firma Fiber Engineering aus Karlsruhe zusammengetan haben, um aus Plastikabfällen gewonnene Fasern zu Matten zusammenzupressen, die als Absorber, Sitzgelegenheiten oder Raumtrenner fungieren können. Noch einen Schritt weiter geht da das von Kvadrat zusammen mit Modemacher Klaus Samsøe gegründete dänische Label Really, das aus wiederaufbereiteten Textilabfällen vermischt mit Kunstharz neuartige, steife Paneele herstellt, die als Möbel- oder Innenausbauelemente zum Einsatz kommen.

Viel ist in den vergangenen Jahren passiert, dass brandschutzoptimierte Textilien aus synthetischen Fasern und Garnen, die der B 1 Brandschutznorm („schwer entflammbar“) in öffentlichen Gebäuden wie Büros oder Krankenhäuser entsprechen, sich auch natürlich anfühlen – und nicht diesen unguten Knistereffekt beim Anfassen auslösen, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen. Dadurch ist auch das Angebot an objekttauglichen Stoffen in den vergangenen Saisons deutlich vielfältiger geworden, die speziellen Kollektionen wurden ausgebaut, was man auf der kommenden Heimtextil 2019 deutlich sehen wird. „Heute gibt es Objektstoffe, die wirklich nach Leinen oder Wolle aussehen“, erläutert Textildesigner Felix Diener, der objekttaugliche Stoffe entwickelt. Wer auf der Suche nach abriebs-, feuer- und wasserresistenten Stoffen ist, der dürfte an der Polyesterfaser von Trevira CS nicht vorbeikommen, deren Pluspunkt es ist, dass der Feuerschutz in der Molekularstruktur der Faser eingebettet ist.

„Allerdings muss es nicht zwingend eine Synthetikfaser für den Objektbereich sein wie Architekten immer denken“, sagt Diener. So bietet der italienische Hersteller Coex seit einigen Saisons schwer entflammbare Baumwoll-, Leinen und Viskosefasern an, denen Sauerstoff entzogen und deren Molekularstruktur durch die Bearbeitung mit Schwefel und Phosphor modifiziert wird. Das Textil aus diesen Fasern fängt nicht an zu brennen, sondern verkohlt, bindet Sauerstoff und erstickt dadurch die Flammen. Als erster Hersteller hat Christian Fischbacher (Heimtextil: Hall 12, Stand A10) die Coex-Faser in seiner Kollektion Eco FR 2015 vorgestellt, weitere Anbieter wie Maasberg oder Zimmer + Rohde (Heimtextil: Halle 3.1, Stand D32) haben sie ebenso in der Kollektion. Eine andere interessante Alternative sind die Objektstoffe des britischen Herstellers Camira, die aus Bastfasern wie Hanf, Flachs oder recyclter Jute (aus alten Kaffeesäcken) bestehen und obendrein schwer entflammbar sind. Und: „auch Wolle entspricht den Brandschutz-Anforderungen“, gibt Textildesigner Diener zu bedenken.

Prima Klima
Auch im Außenbereich nimmt die Performance-Fähigkeit der Stoffe zu – nicht zuletzt als Antwort auf steigende klimatische Extrembedingungen. In Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie hat die Spinnerei und Weberei Ettlin jüngst ein patentiertes Gewebe für Sonnenschirme, Segel und Markisen entwickelt, das luftdurchlässig, aber zugleich wasserabweisend ist. Starke Winde können TransProof nichts anhaben, Hitzestau wird vermieden. Ein Spezialist für Outdoorstoffe ist der französische Hersteller Serge Ferrari, der seine Kompetenz aus dem Bereich Yachting zieht. Mittlerweile ist Serge Ferrari (Heimtextil: Halle 4.2, Stand X03) auch in der Architektur und Innenarchitektur weltweit aktiv, liefert objekttaugliche Polsterstoffe, Sonnenschutztextilien, Outdoortextilien sowie Gewebe für Fassaden. Gerade Sonnenschutztextilien nehmen an Bedeutung zu – sowohl für den Innen- als auch Außenbereich, da sie Temperaturen regeln und vor UV-Strahlen wie auch vor Regen und Wind schützen können. Dies bedient Serge Ferrari mit seiner Soltis-Linie, in der er für jede spezifische Anwendung ein spezielles Modell anbietet. Der neue Soltis Elite zum Beispiel ist gekennzeichnet durch eine starke Spannkraft, sodass er im Wind nicht flattert.

Welche Power technische Textilien in der Architektur entfalten können, zeigt mitunter der SpacerFabric Pavillon, der aus einem Studentenprojekt an der FH Frankfurt hervorgegangen ist. Dazu haben die Studenten unter Leitung von Professorin Claudia Lüling Module aus einem 30 mm starken Abstandstextil – das sonst vornehmlich in Büstenhalter als Schalenmaterial eingesetzt wird – gefertigt, um sie zu einer selbsttragenden Kuppelstruktur zusammenzufügen. Auch die Pavillons des Instituts für Computational Design and Construction (ICD) und des Instituts für Tragkonstruktionen und konstruktives Entwerfen (ITKE) der Uni Stuttgart führen vor, wie Textil als tragendes Leichtbaumaterial eingesetzt werden kann: Inspiriert von den Deckflügelschalen von Käfern, bestehen die innovativen Konstruktionen aus robotisch gewickelten Glas- und Karbonfasern. Den nächsten darf man auf der Bundesgartenschau in Heilbronn bewundern.

TIPP
Für Orientierung sorgen die Interior.Architecture.Hospitality Tours, die unter anderem vom Bund Deutscher Innenarchitekten (bdia) sowie den World-Architects durchgeführt werden und die in Halle 4.2 am Stand X 50 starten.

https://events.messefrankfurt.com/2019/heimtextil/de/fuehrungen/Calendar
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